Für Patienten
Wie oft Physiotherapie? Und warum die Frage die falsche ist
Ein- bis zweimal pro Woche ist der Normalfall. Entscheidender als die Frequenz ist, was dazwischen passiert.
Die Zahl, die auf dem Rezept steht
Ihr Arzt gibt die Frequenz auf der Verordnung vor - üblich sind ein- bis zweimal pro Woche. Bei akuten Beschwerden und in der Zeit direkt nach einer Operation kann eine höhere Frequenz sinnvoll sein; auch das muss der Arzt verordnen.
Wichtiger als die Zahl ist die Gleichmäßigkeit. Zwei Termine in einer Woche und dann vierzehn Tage Pause bringen weniger als ein regelmäßiger Wochenrhythmus - und ab 15 Tagen Unterbrechung verfällt die Verordnung ohnehin (alle Fristen).
Die Rechnung, die niemand gerne hört
Zwei Einheiten Krankengymnastik in der Woche sind 40 Minuten. Eine Woche hat 10.080 Minuten. Der Anteil der Behandlung an Ihrer Woche liegt bei 0,4 Prozent.
Daraus folgt eine unbequeme Wahrheit: Kein Verfahren gleicht aus, was in den übrigen 99,6 Prozent passiert. Wenn Sie zwischen den Terminen acht Stunden in derselben Haltung sitzen, gewinnen die acht Stunden.
Das ist kein Argument gegen Physiotherapie. Es ist ein Argument dafür, sie richtig zu verstehen: Der Termin setzt den Reiz, stellt Beweglichkeit her und korrigiert die Ausführung. Die Wirkung entsteht in den Tagen dazwischen.
Warum wir Ihnen wenige Übungen mitgeben
Zwei bis vier. Nicht zwölf.
Ein Zettel mit zwölf Übungen wird nicht abgearbeitet, sondern weggelegt. Zwei Übungen, die zwei Minuten dauern und an eine bestehende Gewohnheit gekoppelt sind - nach dem Zähneputzen, vor dem Kaffee -, werden gemacht.
Und weil das so ist, fragen wir beim nächsten Termin danach. Nicht als Kontrolle, sondern weil die Antwort „habe ich nicht geschafft“ eine brauchbare Information ist: Dann ist die Übung zu kompliziert, zu lang oder falsch platziert, und wir ändern sie.
Wie lange dauert es insgesamt?
Das hängt davon ab, wie lange die Beschwerden schon bestehen.
- Frisch, wenige Tage bis Wochen. Oft reichen sechs bis zehn Einheiten.
- Länger als drei Monate. Dann geht es nicht mehr nur um die schmerzende Struktur, sondern um Belastbarkeit und um Vertrauen in die eigene Bewegung. Das dauert Monate, es verläuft in Wellen, und Rückschläge gehören dazu.
- Nach Operationen. Der Zeitplan kommt vom Operateur. Rechnen Sie mit drei bis neun Monaten bis zur vollen Belastbarkeit - deutlich länger, als das Gelenk sich gut anfühlt.
Woran Sie merken, dass es wirkt
Nicht daran, dass der Schmerz nach der dritten Einheit weg ist. Sondern daran, dass:
- Sie morgens kürzer brauchen, bis Sie in Gang kommen
- Sie eine Bewegung wieder machen, die Sie vermieden haben
- ein schlechter Tag nicht mehr eine ganze Woche kostet
- Sie länger durchhalten, bevor die Beschwerden kommen
Das sind die Veränderungen, nach denen wir fragen. Sie sind unspektakulärer als Schmerzfreiheit und aussagekräftiger.
Und wenn sich nichts tut?
Sagen Sie es uns. Nach vier bis sechs Einheiten sollte sich etwas bewegt haben. Tut es das nicht, ändern wir den Ansatz - oder wir schicken Sie zurück zum Arzt, weil die Diagnose vielleicht nicht vollständig ist.
Eine Verordnung stumm zu Ende zu behandeln, obwohl nichts passiert, ist verlorene Zeit für beide Seiten.