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Für Therapeut:innen

Die erste Stelle als Physiotherapeut:in - worauf man achten sollte

Nicht das Gehalt entscheidet über die ersten zwei Jahre, sondern die Breite der Fälle und wer im Nebenraum steht.

Oliver Grunow, Physiotherapeut, Inhaber der Praxis seit 2007 5 Minuten Aktualisiert am

Nach der Ausbildung sieht jede Praxis von außen gleich aus: Behandlungsräume, ein Team, eine Stellenanzeige mit denselben vier Sätzen. Was Sie in den ersten zwei Jahren tatsächlich lernen, entscheidet sich an Dingen, die in keiner Anzeige stehen.

Breite schlägt Spezialisierung - am Anfang

Eine Praxis, die ausschließlich orthopädisch arbeitet, ist bequem: überschaubare Bilder, schnell sichere Routine. Sie ist auch eine Sackgasse, wenn Sie nach zwei Jahren merken, dass Sie eigentlich neurologisch arbeiten wollen.

Fragen Sie im Gespräch nach der Verteilung der Diagnosen. Wie viel Orthopädie, wie viel Neurologie, wie viel nach Operationen, wie viele chronische Verläufe? Eine Praxis, die das aus dem Stand beantworten kann, kennt ihre Patienten. Eine, die ausweicht, meist nicht.

Wer steht im Nebenraum?

In den ersten Monaten werden Sie regelmäßig an einen Punkt kommen, an dem Sie nicht weiterwissen. Entscheidend ist, ob dann jemand da ist, den Sie fragen können - und ob Fragen als normal gilt oder als Schwäche.

Das lässt sich in einem Bewerbungsgespräch schwer herausfinden. In einem halben Tag Hospitation dagegen schon: Sie sehen, ob Türen offenstehen, ob zwischen zwei Terminen gesprochen wird und in welchem Ton.

Wenn eine Praxis keine Hospitation anbietet, fragen Sie danach. Wenn sie ablehnt, ist das eine Antwort.

Die Taktung ist eine Rechenaufgabe, keine Gefühlsfrage

20 Minuten pro Patient sind der Regelfall in der ambulanten Physiotherapie. Ob das eng ist, hängt davon ab, was noch dazukommt:

  • Wird zwischen zwei Patienten gewechselt, oder überlappen die Termine?
  • Wann wird dokumentiert - in der Behandlungszeit, in einem eigenen Block, nach Feierabend?
  • Wer räumt den Raum auf und holt den nächsten Patienten?
  • Wie viele Behandlungen stehen tatsächlich im Plan, nicht theoretisch?

Rechnen Sie das durch, bevor Sie unterschreiben. Der Unterschied zwischen einer guten und einer zermürbenden Stelle liegt selten im Stundenlohn und fast immer hier.

Fortbildung: die Frage hinter der Frage

Fast jede Praxis sagt, sie unterstütze Fortbildungen. Was das heißt, unterscheidet sich erheblich. Fragen Sie konkret:

  • Wie viel wird übernommen, in Euro oder Prozent?
  • Freistellung oder Urlaub?
  • Rückzahlungsklausel - ab welchem Betrag, über welchen Zeitraum, mit welcher Staffelung?
  • Wer entscheidet, welche Fortbildung genehmigt wird?

Zum letzten Punkt ausführlich: Fortbildung und Rückzahlungsklausel.

Die zwei Fragen, die am meisten verraten

„Wie lange ist die Person, deren Stelle ich übernehme, hier gewesen?“ Die Antwort sagt mehr über die Praxis als jede Selbstbeschreibung. Und wenn niemand weggegangen ist, sondern das Team wächst, ist auch das eine Antwort.

„Was würden Sie an dieser Stelle selbst gerne ändern?“ Eine Praxis, die darauf „eigentlich nichts“ antwortet, hat entweder nicht nachgedacht oder sagt nicht die Wahrheit. Eine, die konkret wird, wird auch später konkret sein.

Und das Gehalt?

Fragen Sie danach im ersten Gespräch, mit einer Zahl. Es ist Zeitverschwendung auf beiden Seiten, wenn zwei Termine stattfinden und sich dann herausstellt, dass die Vorstellungen weit auseinanderliegen.

Wer bei dieser Frage ausweicht oder sie auf später vertagt, verhandelt aus einer Position, in der Sie schon Zeit investiert haben. Das ist kein Zufall.